Personalführung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Unternehmen. Die Mitarbeiter sollen zielorientiert in die Aufgaben des Unternehmens eingebunden, motiviert und geführt werden. Wie dies am besten geschehen soll, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten und dementsprechend viele Diskussionen. Häufig wird dabei zwischen Managern und Leadern unterschieden. Wir gehen heute der Manager vs. Leader Debatte auf den Grund. 

Warum Leadership und nicht Führung?

Die deutsche Übersetzung von Leadership ist Führung. Allerdings hat sich das englische Wort auch im Deutschen durchgesetzt. Das hat mehrere Gründe:

  1. Das Wort Führer ist durch den historischen Kontext vorbelastet und stellt keine neutrale Bezeichnung mehr dar.
  2. Führung ist ein viel breiterer Begriff: Damit kann zum Beispiel auch einfach die Führung von einer Organisation gemeint sein oder die Personalführung etc. Bei Leadership ist gleich klar, worum es geht.
  3. Leadership hat eine spezifische Bedeutungskomponente, nämlich die Inspiration durch Vision – was bei Führung nicht so stark mitschwingt.

Um den Unterschied zum Management herauszustreichen, eignet sich also der Begriff Leadership besser. Trotzdem wird Führung auch sehr oft als Synonym von Leadership verwendet.

Den Ursprung der Debatte, auf die wir uns beziehen, festzumachen ist schwierig. Auf das Thema aufmerksam geworden sind wir durch den britischen Autor und Redner Simon Sinek, der dafür plädiert klassische Manager durch Leader zu ersetzen. Er vertritt die Ansicht, dass sich diese beiden Rollen grundsätzlich voneinander unterscheiden. Es gibt zahlreiche weitere Beiträge, die diese These stützen, dabei verwenden einige Autoren den Begriff Boss, andere den Begriff Manager. Wir konzentrieren uns heute auf die Manager vs. Leader Debatte. Um diese Aussage zu untersuchen, klären vorher noch die Frage: Worin unterscheiden sich Manager und Leader eigentlich? 

Management und Leadership – Wo liegt der Unterschied?

Die Verbreitung des Begriffs Leadership geht zu großen Teilen auf John P. Kotter zurück. Der Harvard-Professor hat bereits im Jahr 1990 den Unterschied zwischen Management und Leadership betont. In seinem Buch „A Force For Change: How Leadership Differs From Management“ vertritt er die These, dass Manager eher die Verwalter sind, Leader hingegen Visionäre. Laut Kotter gibt es in jedem Bereich drei Kernprozesse zu bewältigen:

ManagementLeadership
planen und budgetieren die Richtung vorgeben
organisieren und Stellen besetzendie Mitarbeiter danach ausrichten
Controlling und Probleme lösenmotivieren und inspirieren

Und auch die Ergebnisse sind jeweils unterschiedlich:

ManagementLeadership
… erzeugt Ordnung und Stabilität. … erzeugt Wandel und Bewegung.

Geschichte des Managements

In der Wirtschaft ist der Manager eine Führungskraft, also Vorgesetzter mit Personalleitungsfunktion. Der Begriff Manager ist allerdings etwas ungenau, besonders weil der Begriff in „Neudeutsch“ immer häufiger für Menschen ohne Personalverantwortung gebraucht wird, siehe Facility Manager (Hausmeister), Sales Manager (Verkäufer), Tax Manager (Steuerberater). 

Zunächst sollte man zwischen dem Management als Institution und dem Management als leitende Tätigkeit differenzieren. 

Laut Dr. Peter Haric, habe es bereits in der Antike, Abhandlungen über ökonomisches Handeln gegeben. “Doch erst die Handelswirtschaft und die Entstehung von Handelsgesellschaften im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit führten zu den ersten Werken einer systematischen, entscheidungsorientierten und zweckrationalen Betriebsführungslehre.

Im Zuge der Industrialisierung und mit der Gründung von Aktiengesellschaften, die immer häufiger von angestellten Managern geführt wurden, habe sich das Management wie wir es heute kennen, entwickelt. Dies ermöglichte die Entstehung von Methoden, mit denen man eine wachsende Anzahl von Arbeitskräften in Unternehmen  integrieren kann. 

Managementaufgaben

Um das Management als Funktion zu erläutern, führt Dr. Haric den Managementzyklus an. Dieser umfasse die Steuerung von Kernprozessen in Unternehmen. “Danach zählen (1) Analyse, (2) Zielsetzung (3) Planung, (4) Entscheidung, (5) Organisation, (6) Delegation, (7) Koordination, (8) Mitarbeiterführung und (9) Kontrolle zu den Aufgaben des Managements.” 

Je nach Unternehmensgröße und Unternehmensphilosophie kann es zu hierarchischen Unterschieden der Managementaufgaben kommen. 

So beschäftige sich das Top-Management, der Vorstand oder die Geschäftsführung, mit strategischen Entscheidungen, wozu u.a. die Koordination der Unternehmensbereiche, Festlegung der Unternehmenspolitik, Errichtung von Zweigniederlassungen gehören.

Das Middle-Management (Direktoren, Betriebsleiter, Abteilungsleiter) steuere operative Entscheidungen und verwalte organisationale Einheiten. Die Angestellten des Middle-Managements müssen einerseits die mit dem Top-Management vereinbarten Ziele erfüllen und gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen.

Das Lower-Management (Meister, Team- und Betriebsleiter) sei dem Middle-Management untergeordnet, befinde sich aber ebenfalls in der Situation des doppelten Erwartungsdrucks. Das Lower-Management beschäftige sich mit den Ausführungstätigkeiten, sowie dem Fällen und Umsetzen von Routineentscheidungen von Planungs-, Organisations-, Steuerungs- und Führungsaufgaben.

Folgendes lässt sich also festhalten: Durch die unterschiedlichen Forschungsgegenstände und unterschiedliche Erkenntnisinteressen, gibt keine einheitliche Definition des Begriffs Management. Das Management, wie wir es heute kennen wurde maßgeblich von der Industrialisierung geprägt. Zu den Aufgaben des Managements zählen unter anderem: Planung, Organisation, Analyse, Koordination, Mitarbeiterführung und Kontrolle. 

Leadership

Im amerikanischen Sprachraum differenziert man zwischen dem Manager und dem Leader, so auch Simon Sinek und etliche andere. Mit den Jahren ist Leadership ein Buzzword geworden und wird in dem Kontext der Unternehmensführung wird dieser Begriff immer häufiger auch im deutschen Sprachgebrauch verwendet.

Leider kann man sich bei dem Begriff Leadership auf keine universelle Definition stützen. 

Prof. Dr. Jan Lies, Professor für BWL an der FOM, Hochschule für Ökonomie und Management in Essen definiert den Begriff wie folgt: 

Leadership (Führung) bezeichnet nicht einheitlich definiert die menschen-, verhaltens-, eigenschafts-, interaktions- und/oder motivationsorientierten Aufgaben des Managements.

Des Weiteren erläutert Prof. Dr. Lies, “während Management in der Tradition der Betriebswirtschaft vor allem analytische Fähigkeiten zur Planung von Organisation, Struktur, Prozessen und Kapazitäten erfordert, machen krisenhafte Situationen und Phasen des tief greifenden Wandels besonders deutlich, dass nicht nur die Herleitung, sondern vor allem die Durchsetzung von Entscheidungen eine zentrale Managementherausforderung sein kann. Entsprechend beinhaltet Leadership einerseits Eigenschaften (z.B. Charisma, Persönlichkeit, Sympathie) und andererseits Fähigkeiten (z.B. Motivationsfähigkeit, Rhetorik, Überzeugungskraft), die in eine interaktionsbezogene und verhaltensbeeinflussende Managementkompetenz als zentrale Charakteristika von Leadership münden.” 

In dem Text von Prof. Dr. Lies wird auch J.P. Kotter erwähnt. Dieser ist Professor für Führungsmanagement an der Harvard Business School und habe laut Lies die Leadership Debatte in den 1980er Jahren maßgeblich beeinflusst. Kotter legt den Begriff Leadership so aus: “Leadership is about vision, about people buying in, about empowerment and, most of all, about producing useful change.

Zu Deutsch: “Bei der Führung geht es um Visionen, um Menschen, die kooperieren, um Befähigung und vor allem darum, nützliche Veränderungen herbeizuführen.” 

In ihrem Artikel The Role of the Situation in Leadership haben der kanadische Wirtschaftspsychologe Victor H. Vroom und sein Co-Autor Arthur G. Jago das Problem des Begriffs Leadership an seiner fehlenden Wissenschaftlichkeit festgemacht. 

One of the problems stems from the fact that the term leadership, despite its popularity, is not a scientific term with a formal, standardized definition.

Zu Deutsch: “Eines der Probleme ergibt sich aus der Tatsache, dass der Begriff Leader trotz seiner Popularität kein wissenschaftlicher Begriff mit einer formalen, standardisierten Definition ist”.

Anhand dieser Definitionen lässt sich Folgendes festhalten: 

Der Begriff Leadership ist kein wissenschaftlicher Begriff in Zusammenhang mit der Unternehmensführung. Ein Leader zeichnet sich aber primär dadurch aus, dass er mit seiner Vision und seinen Überzeugungen Menschen beeinflusst, motiviert und befähigt Veränderung herbeizuführen. 

Die Überschrift “Manager vs. Leader” finden Sie auf diversen Internetseiten. Diese Gegenüberstellung wurde sowohl von J.P. Kotter als auch von Warren Bennis geprägt. Bennis war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Autor, der sich in seinen Werken auf das Konzept Führung konzentrierte.

“The manager has his eye on the bottom line; the leader has his eye on the horizon,” (zu Deutsch: “Der Manager hat sein Auge auf das Ergebnis gerichtet, die Führungskraft hat seinen Blick auf den Horizont gerichtet”) und “The manager does things right; the leader does the right thing.” (zu Deutsch: ”Der Manager macht die Dinge richtig; die Führungskraft macht das Richtige”) sind nur einige wenige Zitate, die Diskrepanz zwischen einem Leader und einem Manager deutlich machen sollen. Eine detaillierte Gegenüberstellung von Leader und Manager finden Sie auf der Wikipediaseite von Warren Bennis. 

“Leaders create a vision, managers create goals”. (Führungskräfte schaffen eine Vision, Manager schaffen Ziele)
“Leaders are unique, managers copy”. (Führungskräfte sind einzigartig, Manager kopieren)
“Leaders create fans, managers have employees”. (Führungskräfte schaffen Fans, Manager haben Mitarbeiter)

aus dem Forbes Magazin (Auszug)

Management vs. Leadership: Beispiele

Werfen wir nun noch einen Blick auf reale Personen: Welche Beispiele gibt es für gutes Management bzw. herausragende Leadership? Bei der Suche fällt bereits auf, dass es wesentlich einfacher ist, Beispiele für Leader zu finden. Offensichtlich bringt es die Rolle des Managers mit sich, etwas im Hintergrund zu bleiben.

Gutes Management: Sheryl Sandberg

Als Beispiel für eine exzellente Managerin kann Sheryl Sandberg dienen. Sandberg ist seit über 10 Jahren COO („Chief Operating Officer“) bei Facebook und wurde 2017 vom Forbes-Magazin als viertmächtigste Frau der Welt eingestuft. Als COO ist sie verantwortlich für die Abwicklung der zentralen operativen Prozesse von Facebook – und dies offensichtlich sehr erfolgreich, wie die Geschäftsentwicklung des Unternehmens nahelegt.

Gute Leadership: Steve Jobs

Steve Jobs wird sehr häufig als DAS Paradebeispiel für Leadership genannt: Jobs, der leider 2011 verstarb, war Mitgründer und langjähriger CEO von Apple. Er gilt als kreativer Visionär, der völlig neuartige, revolutionäre Technologie erschuf. Nicht zuletzt beherrschte Steve Jobs auch die Kunst, andere zu begeistern: Seine Rede an der Universität Stanford mit dem Titel „How to live before you die“ wurde mittlerweile über 9 Millionen Mal angeklickt.

Fazit:

Liest man sich durch Artikel zum Thema „Leadership vs. Management“ erhält man manchmal den Eindruck, dass Leadership der Idealzustand sei und man Manager möglichst abschaffen sollte. Beispielsweise schreibt Warren Bennis, der Berater von vier amerikanischen Präsidenten: „Der Manager ist eine Kopie, der Leader ein Original.“

An anderer Stelle ist zum Beispiel auch zu lesen, der Manager würde immer Konflikte vermeiden und die Schuld bei anderen suchen.

Damit macht man es sich laut John P. Kotter aber zu einfach. Denn ein erfolgreiches Unternehmen braucht beide:

  • Manager, die mit beiden Beinen am Boden stehen und das Tagesgeschäft effizient abwickeln.
  • Leader, die das große Ganze im Blick haben und durch ihre Vision das Unternehmen vor Stillstand bewahren.

Manager und Leader lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen, da Manager ebenfalls führen und Leader auch managen müssen und sich die Aufgabenbereiche überschneiden. Wichtig ist vor allem die richtige Balance zwischen Management und Führung. Zu viel Management lässt die Organisation innerlich erstarren, bei zu viel Leadership fehlt es an Disziplin und Struktur. Es bedarf eines verwaltenden Managements und innovativen Leaderships gleichermaßen.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Die Formulierung „Leader vs. Manager“ ist eigentlich irreführend. Denn es geht nicht um einen Wettkampf der beiden Funktionen. Vielmehr müssen beide Hand in Hand arbeiten, um den Erfolg eines Unternehmens zu sichern.

Quellen uA:
Eine detaillierte Gegenüberstellung von Leader und Manager finden Sie auf der Wikipediaseite von Warren Bennis. 

Manager vs Leader?